10 Kultfilme ohne eine einzige Oscar-Nominierung
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Diese Kino-Klassiker haben sich über die Jahre zu Kultfilmen gemausert, wurden aber von der Oscar-Jury übergangen.
Die größte Überraschung bei den diesjährigen Nominierungen für die 98. Oscar-Verleihung am 15. März 2026 ist die Rekordzahl von 16 Nominierungen für "Blood & Sinners" von Regisseur Ryan Coogler. Das Vampir-Epos ist zweifellos ein guter Genre-Film, aber mit Sicherheit kein Oscar-Material – und wie der Film zur historischen Höchstzahl von 16 Oscar-Nominierungen kommt, lässt sich nur abseits von qualitativen Kriterien erklären. Coogler ist seit dem kommerziellen Erfolg des Marvel-Blockbusters "Black Panther" der angesagteste Black-Community-Regisseur in den USA. Deren wachsender Einfluss in Hollywood und die Bestrebungen der Oscar-Jury, den Ruf als Club weißer Männer loszuwerden, dürfte wohl eine nicht unwesentliche Rolle bei der Vielzahl an Nominierungen gespielt haben.
Eine weitere Überraschung ist aus unserer Sicht die Nominierung von "Frankenstein" von Regisseur Guillermo del Toro für unverständliche 9 Oscars. Beide Filme – "Blood & Sinners" und "Frankenstein" – halten wir für die am meisten überschätzten Filme des Vorjahres.
Weniger überraschend sind da schon die jeweils 9 Oscar-Nominierungen für "Marty Supreme" und "Sentimental Value". Achtmal ist "Hamnet" von Chloe Zhao nominiert.
Ob aus den vielen Nominierungen aber auch tatsächlich Oscar-Auszeichnungen werden, wird sich erst am 15. März 2025 im Dolby Theatre in Los Angeles zeigen.
Wenn es nach uns geht, haben jedenfalls "Blood & Sinners" und "Frankenstein" zumindest in den wichtigsten Kategorien keine Chance gegen cineastische Meisterwerke wie "Bugonia" (4 Nominierungen) und "One Battle After Another" (13 Nominierungen) – unserer bescheidenen Meinung nach, die besten Filme des Vorjahres – und eine Fülle an anderen Highlights.
Oscar Snubs 2026
Aber kommen wir zu den Oscar-Snubs. So werden die von der Oscar-Jury übergangenen Filme genannt, die gar keine Nominierungen erhalten haben. Aus unserer Sicht hätte auf jeden Fall der Mystery-Horrorfilm "Weapons" eine Oscar-Nominierung verdient. Der Film von Writer/Director Zach Cregger ("Barbarian") war immerhin auf der Shortlist für die neue Oscar-Kategorie "Best Casting", die 2026 das erste Mal verliehen wird. Aber da wäre eindeutig mehr drinnen gewesen.
Wir wollen gar nicht damit anfangen, Filme aufzuzählen, die eher eine Nominierung verdient hätten als "Blood & Sinners " und "Frankenstein" … wenn würden wir mit "Superman" und "Companion" anfangen … man könnte dann auch den Netflix-Film "Jay Kelly" oder die Musical-Fortsetzung "Wicked: For Good" nennen … aber lassen wir das …
Oscar Snubs haben Tradition: Die Jury lag schon oft daneben
Solche Oscar-Snubs gehören zur Geschichte der Academy Awards seit der Gründung der wohl renommiertesten Film-Auszeichnung der Welt. Seit 1929 vergeben die Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences die Auszeichnungen in den verschiedenen Kategorien. Erst seit 1939 trägt der Academy Award auch offiziell den Namen Oscar. Davor war es nur ein gängiger Nickname für die goldene Figur. Die Entscheidungen der honorigen Jury, die in den vergangenen Jahren wegen mangelnder Diversität unter Beschuss stand, waren von Anfang an nicht unbedingt von Weitblick geprägt.
Im Jahr 1989 wurde zwar die bis dahin offizielle Gala-Phrase "And the winner is …" zugunsten der Formulierung "And the Oscar goes to …" geändert – mit der Begründung, dass schon die Nominierung eine Auszeichnung sei. Doch auch diese Ausweitung des Kreises der "Ausgezeichneten" ändert nichts daran, dass die Academy of Motion Picture Arts und Sciences in einigen Fällen eine peinliche Ignoranz schon bei den Nominierungen an den Tag gelegt hat.
Die größten Oscar-Snubs aller Zeiten: Diese 10 Kultfilme haben nicht einmal eine einzige Oscar-Nominierung bekommen. Nicht einmal in einer unwichtigen Nebenkategorie. Shame on you, liebe Academy!
King Kong (1933)
Gerade in den Anfängen des Kinos waren Horrorfilme oft auch Kunst- und Experimentalfilme. Doch schon damals kamen Monster bei der Oscar-Jury nicht gut an. Die beiden stilprägenden Monster-Klassiker "Frankenstein" (1931) und "King Kong" (1933) wurden von der Academy ignoriert. Mildernd kann nur angeführt werden, dass es damals die Kategorie "Spezialeffekte" noch nicht gab. Die Kategorie entstand erst aufgrund einer Petition zur Würdigung der Spezialeffekte-Arbeit von Willis O'Brien bei "King Kong". Die ehrwürdige Jury kam aber selbst nicht darauf die zukunftsweisenden Techniken zu prämieren und sah damals auch den genreprägenden Einfluss dieser Filme nicht vorher.
Haben und Nichthaben (1944)
Das American Film Institute führt "Haben und Nichthaben" unter den besten 100 US-amerikanischen Liebesfilmen aller Zeiten. Das legendäre Filmzitat von Bacall "You know how to whistle, don't you, Steve? You just put your lips together and blow“ wird vom selben Institut auf Platz 34 der 100 besten Filmzitate in US-Filmen geführt. Das erotische Knistern zwischen dem späteren Hollywood-Traumpaar Humphrey Bogart und Lauren Bacall, die sich bei den Dreharbeiten kennen und lieben lernten, hat Howard Hawkes in diesem Film großartig festgehalten. Oscar-Nominierung gab es aber keine einzige. Auch "Tote schlafen fest", der zweite Film des Traumpaares, ging leer aus.
Außer Atem (1960)
Mit Coolness dürfte die ehrwürdige Academy ebenso wenig anfangen können wie mit stilprägenden Trends. Denn auch Jean-Luc Godards cooler Nouveau Vague-Gangsterfilm war für die verstaubte Oscar-Jury offenbar zu trendig. Heute gilt der Film aufgrund seiner bahnbrechenden filmischen Mittel an den Filmakademien rund um den Globus als einer der einflussreichsten Filme der Kinogeschichte. Einmal mehr bewies die Oscar-Jury ihre mangelnde Weitsicht. "Außer Atem" wurde nicht einmal in der Kategorie "Fremdsprachiger Film" nominiert.
Zwei glorreiche Halunken (1966)
Der Italiener Sergio Leone dürfte bei der US-amerikanischen Academy einfach nicht sonderlich beliebt gewesen sein: Wie sonst ist es erklärbar, dass die wahrscheinlich besten Western aller Zeiten – "The Good, the Bad and the Ugly" (so der Originaltitel) und "Spiel mir das Lied vom Tod" – beide bei den Oscar-Nominierungen vollkommen leer ausgingen? Nicht einmal eine Nominierung in der Kategorie Soundtrack für Ennio Morricone war drinnen! Offenbar war die Oscar-Jury nicht gut auf den legendären Regisseur zu sprechen. Auch das Mafia-Epos "Es war einmal in Amerika" bekam keine einzige Oscar-Nominierung.
Die Nacht der lebenden Toten (1968)
Persönliche Animositäten dürften auch dabei eine Rolle gespielt haben, dass die Oscar-Jury das gesamte Werk von George A. Romero Zeit seines Lebens so gut wie ignoriert hat. Nur gibt es bei diesem genreprägenden Meisterwerk überhaupt keine Ausreden mehr (wie etwa bei "King Kong"). Mit "Die Nacht der lebenden Toten" hat Romero 1968 ein eigenes und bis heute höchst populäres Horror-Subgenre geschaffen. Heute gilt der Zombiefilm als Meilenstein des US-amerikanischen Films. Erschreckend ist nicht nur die Ignoranz der Jury in fachlichen Belangen, sondern eben auch der Eindruck, dass persönliche Animositäten eine Rolle bei den Oscar-Nominierungen gespielt haben.
Harold und Maude (1971)
Zu schräg war der Oscar-Jury 1971 auch "Harold und Maude". Bei den meisten Kritikern löste die zweite Regiearbeit von Hal Ashby eher Verwirrung aus. Auch an den Kinokassen floppte der Film. Aber zumindest der Soundtrack von Cat Stevens hätte eine Nominierung verdient: Zwei Songs, darunter "If You Want to Sing Out, Sing Out", komponierte Stevens – damals am Höhepunkt seiner Karriere – speziell für den Film. Doch auch hierfür gab es keine Nominierung. Kurz gesagt: Der Film war seiner Zeit voraus! Heute gilt "Harold und Maude" als Kultfilm. Das American Film Institute reiht den Film auf Platz neun der zehn besten US-amerikanischen Liebesfilme. Einmal mehr zeigte sich die Oscar-Jury weder visionär noch zeitgeistig.
The Breakfast Club (1985)
Ins Bild passt auch, dass die honorigen Herren (und wenigen Damen) in der Oscar-Jury mit Jugendfilmen wenig anfangen konnten. 1985 war die zweite Regiearbeit von John Hughes, "The Breakfast Club", mit einem geringen Produktionsbudget von rund einer Million Dollar der Überraschungshit des Kinojahres. Der Film wurde in kürzester Zeit zum Kultfilm. Der eigens für das Coming-of-Age-Drama produzierte Soundtrack enthielt unter anderen den weltweiten Hit "Don't You (Forget About Me)". "Breakfast Club" ist wahrscheinlich das einflussreichste Highschool-Drama aller Zeiten. Das bestätigte auch die Tatsache, dass der Film 2016 in die National Film Registry aufgenommen wurde. Das kommt einer Einstufung als nationales Kulturgut der USA gleich. Trotzdem gab es 1985 keine einzige Oscar-Nominierungen. Null, nada, niente!
Und täglich grüßt das Murmeltier (1993)
Komödie gilt bei den Oscar-Verleihungen allgemein als schwieriges Genre. Die ehrwürdige Academy hat offenbar eher ein Faible für Dramen und Tragödien. Zugegeben, Komödien sind kein einfaches Genre. Sie sind immer eine Gratwanderung zwischen billigen Witzen und intelligentem Humor. Zudem hängt alles vom komödiantischen Talent der Hauptdarsteller ab. Aber all das passt bei "Und täglich grüßt das Murmeltier" perfekt, auch wenn es letztlich nur eine einfache Liebesgeschichte ist. Angesichts der Konkurrenz bei den Nominierungen in diesem Jahr wäre eine Auszeichnung zwar unwahrscheinlich gewesen: Die Oscars gingen an schwermütige Dramen wie "Schindler's Liste" und "Das Piano". Aber zumindest eine Nominierung für diese kultige Komödie wäre drinnen gewesen, wenn man bedenkt, dass der Liebeskitsch "Schlaflos in Seattle" gleich zweimal für Originaldrehbuch und Musik nominiert wurde.
The Big Lebowski (1998)
Der "Dude" kann auf die Auszeichnung durch die ideenlose Academy gut verzichten. Denn rund um den Kultfilm haben sich ganze Filmfestivals organisiert. Auf Basis der Philosophie der von Jeff Bridges gespielten Hauptfigur Dude wurde 2005 eine eigene Religion gegründet, die "Church of the Latter-Day Dude". Warum "The Big Lebowski" keine einzige Nominierung erhielt, ist rückblickend kaum nachvollziehbar. Nominiert wurden in diesem Jahr in der Kategorie "Bester Film" Kriegsdramen wie "Der Soldat James Ryan" und "Der schmale Grat", das Historiendrama "Elisabeth", der Liebesfilm "Shakespeare in Love" und die Tragikomödie "Das Leben ist schön". Der Oscar ging an "Shakespeare in Love". Das kultige Meisterwerk von Joel und Ethan Coen war der konservativen Oscar-Jury einfach zu schräg.
Heat (1995)
"Heat" legt gleich mehrere Köder für die Oscar-Jury aus: Die Hollywood-Stars Al Pacino und Robert De Niro in einem Film als legendäre Gegenspieler unter der Regie von Michael Mann auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Was kann da noch schief gehen? Auch das Genre des Heist-Movies ist bei der Academy gerne gesehen, man denke nur an "Der Clou". Doch die Jury wurde 1996 offenbar von einer kollektiven Verwirrtheit geplagt: Wie sonst ist zu erklären, dass "Heat" bei den Nominierungen leer ausging, aber Nicolas Cage einen Oscar für "Leaving Las Vegas" bekam und Mel Gibson mit "Braveheart" zum Liebling Hollywoods avancierte.