Kino-Tipp: "Licorice Pizza" und was der Titel der Retro-Lovestory bedeutet | © MGM

Kino-Tipp: "Licorice Pizza" und was der Titel der Retro-Lovestory bedeutet

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Die liebenswerte Coming-of-Age-Geschichte von Writer/Director Paul Thomas Anderson ist ein nostalgischer Rückblick ins Los Angeles der 70er-Jahre.

Das vielgelobte Coming-of-Age-Drama "Licorice Pizza" startet in dieser Woche so gut wie konkurrenzlos in den heimischen Kinos. Omikron macht's möglich. In den USA hat der neue Film von Regisseur Paul Thomas Anderson bei den Kritikern beinahe einhellig positive Reaktionen ausgelöst, stellenweise sogar Jubel. Das liegt wohl einerseits am renommierten Regisseur, der für Filme wie "Boogie Nights" (1997), "Magnolia" (1999), "Punch Drunk Love" (2002), "There will be blood" (2007) und "Inherent Vice" (2014) bekannt ist. Darüber hinaus bedient Anderson mit der Coming-of-Age-Liebesgeschichte im Los Angeles der 70er-Jahre sowohl die nostalgische Selbstverliebtheit Hollywoods als auch den Trend zu Retro-Filmen, die den Lifestyle vergangener Jahrzehnte aufleben lassen. Nicht zuletzt der Soundtrack trägt zu diesem authentischen Ausflug in die 70er-Jahre bei. Schließlich überzeugt "Licorice Pizza" auch dank der beiden Schauspieldebütanten Cooper Hoffman und Alana Haim in den Hauptrollen. 

Licorice-Pizza_2021_UPI_04 | © MGM

 

Was der Titel "Licorice Pizza" bedeutet

Ins Deutsche übersetzt würde der Titel "Lakritzpizza" lauten. Doch eine Übersetzung macht wenig Sinn, denn der Begriff ist eine englische Metapher für Vinylschallplatten: Sie glänzen wie schwarzes Lakritz und haben die Form einer kleinen Pizza. Im Film selbst findet sich allerdings kein Hinweis auf den Titel: weder wird der Begriff benutzt, noch kommen Lakritz und Pizza vor. Woher kommt also der Titel? Im Interview mit dem US-Magazin "Variety" hat Writer/Director Paul Thomas Anderson das Rätsel aufgeklärt: Anderson ist selbst im San Fernando Valley aufgewachsen, wo "Licorice Pizza" spielt. Damals habe es in der Region einen berühmten Plattenladen mit dem Namen "Licorice Pizza" gegeben. Auch der Plattenladen wird mit keinem Wort im Film erwähnt. Doch für Anderson drückt der Titel perfekt die Stimmung des Films aus. Damit ist der Titel "Licorice Pizza" wohl am ehesten als eine Reminiszenz an die Musik und das Lebensgefühl der damaligen Zeit zu interpretieren. Das passt, denn der Film wirkt tatsächlich wie ein Werk der 70er-Jahre. Außerdem gibt es einige ikonische "Needle Drops" – also emotionale Filmszenen, in der ein bekannter Song als Hintergrundmusik verwendet wird. 

Licorice-Pizza_2021_UPI_03 | © MGM

 

Worum geht's in "Licorice Pizza"

Im Mittelpunkt dieser 70er-Jahre-Retro-Lovestory stehen der 15-jährige Teenager Gary Valentine (Cooper Hoffman) und die um zehn Jahre ältere Alana Kane (Alana Haim). Mit 15 ist Gary seinem Beruf als Kinderschauspieler schon entwachsen, aber mit viel Ehrgeiz, Kreativität und Spontanität versucht er sich als Geschäftsmann. Er verliebt sich in Alana, die dem Schulfotografen an seiner Highschool assistiert. Da es ihm nicht an Selbstvertrauen mangelt, lädt er die Mittzwanzigerin auf ein Date ein. Alana mag den jungen Mann zwar, kann sich aber nicht ernsthaft vorstellen, mit einem Teenager zusammen zu sein. Wer kann es ihr verübeln? Doch Gary gibt nicht auf. Im Laufe des Films entwickelt sich eine platonische Freundschaft und berufliche Partnerschaft. Kann daraus wirklich Liebe werden? 

 

Licorice-Pizza_2021_UPI_02 | © MGM

"Licorice Pizza" glänzt mit vielen Dingen: dem perfekten 70s-Retro-Style, dem 70s-Soundtrack, der erfrischend andersartigen Liebesgeschichte (die eigentlich eher an Coming-of-Age-Filme der 80er-Jahre erinnert) und vor allem mit der herausragenden Besetzung. Gary wird von Cooper Hoffman gespielt, dem Sohn des 2014 verstorbenen Schauspielers Philip Seymour Hoffman. Es ist sein beachtenswertes Schauspieldebüt. In die Rolle von Alana schlüpft die Musikerin Alana Haim. Sie ist ebenfalls zum ersten Mal als Schauspielerin in einem Spielfilm zu sehen, hat aber schon Kameraerfahrung. Anderson hat bereits mehrere Kurzfilme über ihre Band Haim gedreht, die sie mit ihren beiden Schwestern gegründet hat. Sie sind auch im Film kurz als ihre Schwestern zu sehen. "Licorice Pizza" werden gute Chancen bei der diesjährigen Oscar-Verleihung eingeräumt, eine Nominierung gilt als sicher. 

"Licorice Pizza" ist ab morgen in den heimischen Kinos zu sehen.