"Matrix Resurrections": Warum der Kino-Flop trotzdem das beste Sequel ist | © Warner Bros

"Matrix Resurrections": Warum der Kino-Flop trotzdem das beste Sequel ist

Der vierte Matrix-Film ist eine gelungene Fortsetzung und auch ein würdiger Abschluss der kultigen Geschichte.

"Matrix Resurrections" hat seit dem Kinostart kurz vor Weihnachten weltweit rund 107 Mio. Dollar eingespielt. Nicht einmal 33 Mio. Dollar davon in den USA. Das ist selbst in Zeiten der COVID-19-Pandemie kein berauschendes Einspielergebnis für ein Blockbuster-Sequel mit einem Produktionsbudget von rund 190 Mio. Dollar. Nahezu mickrig wirkt die Performance an den Kinokassen im direkten Vergleich mit "Spider-Man: No Way Home": Der Superheldenfilm startete eine Woche früher als "Matrix Resurrections", spülte aber trotz Pandemie schon knapp 1,4 Mrd. Dollar in die Kinokassen rund um den Globus (davon rund 636 Mio. Dollar in den USA). Kein Wunder, denn das Marvel Cinematic Universe (MCU) ist ein lebendiges Franchise, während der letzte Film der "Matrix"-Trilogie schon 18 Jahre zurückliegt. Trotzdem hatten sich viele – allen voran das Hollywood-Studio Warner Bros. – wohl mehr von dem kultigen Franchise erwartet. 

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Warum das Matrix-Sequel im Kino floppt

Die schwache Performance von "Matrix Resurrections" an den Kinokassen nur auf die Pandemie zurückzuführen, wäre zu kurz gegriffen. Drei Gründe haben wohl zum schlechten Ergebnis geführt:

  • Blockbuster-Konkurrenz: Unter den aktuellen Umständen gehen weniger Menschen weniger oft ins Kino. Indirekt verschärft die Pandemie also den Wettbewerb der Hollywood-Blockbuster. Spider-Man oder Neo? Diese Frage haben viele zugunsten von Spider-Man beantwortet. 
  • Falsche Marketing-Strategie: Teaser und Trailer für den neuen Matrix-Film ließen den Plot möglichst im Dunkeln und spielten mit dem Kultfilm-Status. Damit zielte die Marketing-Kampagne aber vor allem auf jene Kernzielgruppen, die ohnedies schon am Matrix-Sequel interessiert waren. Für ein jüngeres und neues Publikum gab es wenige Anreize.
  • Gemischte Kritiken: Die Fortsetzung eines Kultfilms wie "Matrix" wird niemals alle Fans zufriedenstellen können. Aber die Kritiken des Films waren insgesamt sehr durchwachsen: Die einen waren enttäuscht, die anderen sprachen von einer würdigen Fortsetzung. Wir zählen übrigens zu Letzteren! 

Warum "Matrix Resurrections" trotzdem das beste Sequel ist

Top oder Flop? Da wird es immer unterschiedliche Meinungen geben. Fakt ist aber, dass kommerziell im Kino noch lange nicht Schluss ist. Viele Flops im Kino haben erst später ihre Fans gefunden und sind zu Kultfilmen gereift. 

Zudem nimmt die Bedeutung des Kinos in Zeiten des Streaming-Booms langsam ab. In den USA war "Matrix Resurrections" zeitgleich mit dem Kinostart auch auf der Streaming-Plattform HBO Max verfügbar. Dort haben beachtliche 2,8 Millionen Haushalte den Film binnen fünf Tagen angeschaut.

Abgesehen davon ist kommerzieller Erfolg nicht alles. Diese drei Gründe machen "Matrix Resurrections" aus unserer Sicht zu einer gelungenen Fortsetzung und – falls der Flop im Kino zu keinen weiteren Matrix-Filmen führt – auch zu einem würdigen Abschluss: 

 

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Antworten auf offenen Fragen

Beide Sequels, "Matrix Reloaded" und vor allem "Matrix Revolutions", waren bei den Fans eher unbeliebt. Die wichtigsten Hauptfiguren Neo, Trinity und Morpheus starben. Es gab keinen logischen Grund, warum sich die Maschinen an den Frieden halten sollten? Neo hatte den für die Matrix gefährlichen Virus Smith eliminiert und dabei selbst sein Leben gelassen. Die Maschinen hatten die unterirdische Stadt Zion erreicht. Die Menschen waren geschlagen. Es gab keinen logischen Grund für einen dauerhaften Frieden zwischen Menschen und Maschinen. "Matrix Resurrections" beantwortet nun viele dieser offenen Fragen. 

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Starkes World Building

An das Original kommt zwar auch diese Fortsetzung nicht heran. Im Bereich der visuellen Spezialeffekte und der legendären Kampfszenen hat "Matrix" 1999 neue Maßstäbe gesetzt, die heute bereits Standard bei Action-Blockbustern sind. Doch anders als die bisherigen Fortsetzungen führt der vierte Film die Geschichte sinnvoll weiter und etabliert mit Bugs (Jessica Henwick) und dem Analysten (Neil Patrick Harris) auch starke neue Charaktere. Morpheus (Yahya Abdul-Mateen II) wird als Programm rebooted. Vor allem aber werden die beiden Hauptfiguren Neo (Keanu Reeves) und Trinity (Carrie-Anne Moss) auf würdige Art und Weise wieder zurückgeholt – ohne Retconning, mit viel Humor und Selbstironie und durch smarte Weiterentwicklung der bisherigen Story.

Das Sequel spielt nicht nur humorvoll mit Meta-Ebenen, sondern stellt tatsächlich das eigene Erbe in Frage – etwa ob die Wahl der roten Pille wirklich immer die beste Entscheidung ist. Schließlich wird auch das World Building vorangetrieben, etwa mit den abtrünnigen Programmen und Maschinen, die mit den Menschen kooperieren und sich von der "Mainstream-Matrix" abgewandt haben. 

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The Power of Love

Im kultigen Original ging es zwar vordergründig um die Suche nach dem Auserwählten ("The One") und damit vor allem um Neo. Doch Thomas Anderson wird nicht durch den festen Glauben von Morpheus zum Auserwählten. Auch nicht durch eigene Überzeugung. Seine Macht geht von Trinity aus. Ihr hat das Orakel prophezeit, dass sie den Auserwählten lieben werde. Sie ist es, die Neo mit einem Kuss zurückholt. Erst durch die Liebe von Trinity wird Neo zum Auserwählten.

In den beiden Sequels "Reloaded" und "Revolutions" kam die Liebesgeschichte und vor allem die zentrale Bedeutung von Trinity viel zu kurz. In "Resurrections" wird auch diese Unstimmigkeit ausgebügelt. Der Analyst hat erkannt, dass nicht Neo allein zur Bedrohung für die Matrix werden kann, sondern nur zusammen mit Trinity. Damit wird die Geschichte des Auserwählten abgeschlossen und seine außergewöhnliche Macht (wieder) auf die Liebe zurückgeführt. Liebe kann Grenzen überwinden und Welten verändern – egal, ob sie real sind oder nicht.